E 100 GEGEN M113: ECHO DER VERGANGENHEIT

Wargaming hatte neulich auf Facebook ein Bild gepostet, das den M113 im Vergleich zum E100 stellt. Obsidian hat geantwortet!

E 100 GEGEN M113: ECHO DER VERGANGENHEIT

Einen außergewöhnlichen Panzer zu erleben, ist stets ein besonderes Ereignis. Manche Panzer aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs sind extrem groß und schwer gewesen, was natürlich den Schluss nahelegt, dass ein Fahrzeug wie der legendäre Tiger II oder der schwere Stalinpanzer auch heute noch bestehen könnten.
Diese Vorstellung ist in den meisten Fällen irreführend und deshalb werfen wir heute einen Blick darauf, wie sich Fahrzeuge der Kriegszeit im Kampf gegen ihre modernen Gegenstücke behaupten würden.

DIE KONTRAHENTEN

Es ist in vielerlei Hinsicht unfair, den alten Panzern zeitgenössische Modelle entgegen zu stellen, weil sich die Stahlbestien von Damals zu modernen Fahrzeugen verhalten, wie die Kolbenmotorjäger der Kriegszeit zu modernsten Düsenjets. Ein typisches Beispiel dafür ist der bereits genannte deutsche schwere Panzer Tiger II. Unter idealen Umständen konnte seine 88 mm L/71-Kanone im Jahre 1944 jeden Gegner auf dem Schlachtfeld ausschalten. Aufgrund des raschen Fortschritts des Panzerbaus während des Krieges ist seine Feuerkraft jedoch bereits ein Jahr später überholt gewesen. Der sowjetische T-54 konnte seinen Schüssen frontal standhalten und war gleichzeitig schneller, manövrierfähiger, ausdauernder und leichter standzuhalten.


T-54, frühes Modell

Die Feuerkraft seiner gezogenen 100 mm D-10-Kanone war sogar dem gefürchteten deutschen „88“ überlegen und die weitere Geschichte zeigte, dass eine kontinuierliche Aufstockung der Panzerungsstärke (und damit des Gewichts) eine entwicklungsmäßige Sackgasse gewesen ist. Jedes Fahrzeug über 70-80 Tonnen hatte mit essentiellen Logistikproblemen zu kämpfen, vor allem der sichere Transport war praktisch unmöglich. Dessen ungeachtet führten einige deutsche Ingenieure diese Entwicklung bis zum bitteren Ende fort (genauer gesagt, bis Hitler die Entwicklung superschwerer Panzer Ende 1944 beendete), was in den bekanntesten Schwerpanzerprojekten mündete – dem legendären „Maus“ und seinem Gegenstück, dem „Adler E 100“.


Unvollendete E 100 Wanne, erobert durch alliierte Truppen

Wäre so ein 125 Tonnen schweres Monster überhaupt in der Lage, gegen ein Fahrzeug des niedrigsten Rangs von Armored Warfare zu bestehen?
Die Antwort darauf lautet „Nein“, da aber kürzlich der Vergleich zum SPz M113 gezogen wurde (bei Armored Warfare auf Tier 1), wollen wir uns anschauen, wie ein theoretisch angenommener Kampf zwischen den beiden ausgehen würde.
Für unser Gedankenspiel wollen wir alle Logistikprobleme außer acht lassen – ebenso wie der am Ende tatsächlich gebaute „Maus“, wäre der E 100 ein durstiges Monster (der Kraftstoffverbrauch des „Maus“ im Gelände lag bei ungefähr vier Tausend Litern auf 100 km) und damit kaum einsatzfähig gewesen. Darüber hinaus würde sein Gewicht praktisch jede Transportmöglichkeit ausschließen, ebenso wie seine Größe die Nutzung der meisten Tunnel, Brücken usw. Der M113 hingegen ist klein und praktisch überall einsetzbar, sein niedriges Gewicht ermöglicht den Lufttransport und seine Höchstgeschwindigkeit beträgt 60 km/h (auch wenn ältere, schwerer gepanzerte Versionen zum Teil langsamer sind).
Träfe eine geeignete Version des M113 in einer fiktionalen Schlacht auf den E 100, würde der Kampf wohl sehr einseitig ausfallen. Den 123,5 Tonnen schweren Koloss würde ein 600 PS Maybach JL230 P30 Motor bei einem Leistungsgewicht von 4,8 PS/t auf lausige 23 km/h antreiben – unter idealen Bedingungen. Seine Feuerkraft hingegen wäre beachtlich – die späteren E-100-Varianten sollten mit einer 12,8 cm KwK 44 Panzerkanone ausgerüstet werden, deren Schusskraft den leicht gepanzerten M113 bei einem direkten Treffer auf der Stelle vernichten würde. Die Aluminiumpanzerung des M113 wäre jedoch durchaus in der Lage, Fragmenten eines 128-mm-Sprenggeschosses standzuhalten, da sie die Besatzung immerhin vor 7,62-mm-Projektilen schützt. Wie bei den meisten Kanonen der Kriegsära wäre allerdings die Chance auf einen Volltreffer beim ersten Schuss vor allem auf große Entfernung minimal.


M113 fire support vehicle-Ausführung, mit einer 20mm automatischen Kanone

So betrug die Chance, dass eine deutsche 88 mm L/71 Kanone ein panzergroßes Ziel auf 2000 Meter trifft 85 Prozent – unter Übungsbedingungen. Deutschen Quellen zufolge belief sich dieselbe Wahrscheinlichkeit im Kampf auf 43 Prozent, was immer noch sehr optimistisch ist. Denn es war und blieb nur Theorie. In der Praxis würde die Sache anders aussehen, denn die Mehrheit der Panzerschlachten im Zweiten Weltkrieg ereignete sich auf relativ kleine Distanzen (400 bis 800 Meter). Auf der auch für Tiger-Besatzungen empfohlenen optimalen Distanz von 800 Metern resultierten nur 30 Prozent der Schüsse aus 88-mm-Kanonen in der totalen Zerstörung ihrer Ziele. Auf Distanzen von über 1600 Metern lag die Chance für einen Kill bei unter 1 Prozent. Die mythenumrankten Volltreffer von Tigern aus 2000 Metern Entfernung sind reine Glückstreffer oder schiere Propaganda. Der E 100 mit seiner stabilen Plattform und der stärkeren Kanone hätte wahrscheinlich eine etwas bessere Chance, seine Ziele aus großer Entfernung zu treffen.


1>72 Modell des E 100

In einem fiktiven Duell mit einem modernen Gegner wäre es nahezu unmöglich, dass der E 100 den ersten Treffer landet oder seinen Kontrahenten ausmanövriert, denn die aufgrund des hohen Gewichts des Geschützturms geringe Turmschwenkung würde die von den Amerikanern bereits gegen den Tiger eingesetzte Taktik begünstigen, den Panzer schneller zu umfahren, als sich der Turm drehen kann. Das lässt dem E 100 nur noch die Option, den Angriffen des M113 mit seiner für damalige Verhältnisse extrem dicken Panzerung standzuhalten. Wäre der E 100 in der Lage, der Feuerkraft des M113 und seiner Varianten zu trotzen?

M113 – DER KILLER

Nein, er wäre dazu nicht in der Lage.
Bei Armored Warfare ist der M113 mit einer 20-mm-Maschinenkanone ausgerüstet. Obwohl diese Waffen keine hohe Durchschlagsrate besitzen, zeigen Beispiele aus diversen Schlachten, dass auch Maschinenkanonen Panzer schwer beschädigen können, indem sie z.B. deren Optik zerstören, die Türme außer Gefecht setzen usw. Die Oerlikon-Contraves KAD-B13-3 20mm Maschinenkanone feuert zielgenau auf bis zu 1500 Meter. Sie wäre in der Lage, Teile des E 100 zu zerstören, ohne einen Komplettausfall herbeizuführen. Hierfür wäre schwerere Bewaffnung nötig.


Israelische M113 Ausführung mit einer 60mm HVMS-Kanone

Wie die des israelischen M113, der mit einer IMI 60-mm-Hyper-Support-Kanone (HVMS 60) ausgestattet ist. Diese tödliche Waffe wurde 1979 von israelischen Rüstungsunternehmen entwickelt. Sie durchschlägt 120-mm-Panzerung bei 60 Grad auf 2000 Meter Entfernung und kann entweder manuell geladen oder durch Magazine mit jeweils drei Projektilen gefüttert werden, die drei tödlich präzise Schüsse abgeben. Die Waffe wurde im späteren Verlauf auch auf den für den chilenischen Markt umgearbeiteten M51 Super Sherman montiert. Während die maximale Reichweite der IMI-Kanone nicht genau bekannt ist, erreicht die ähnlich gebaute 60 mm Hochgeschwindigkeitskanone von Otobreda eine maximale Reichweite von 14 Kilometern.

Auch wenn die Panzerung des E 100 relativ stark erscheinen mag, muss man zwei Faktoren berücksichtigen, bevor irgendwelche konkreten Schlüsse gezogen werden:

  • Die Stahlpanzerung der 1940er ist im Vergleich zu modernen Materialien von spürbar geringerer Qualität
  • Nur die Wannenfront ist ausreichend angewinkelt

Die HVMS würde die seitliche Panzerung des E 100 wie Butter durchstoßen und selbst auf Distanz hätte der Gigant keine Chance, präzises Gegenfeuer abzugeben. Die Seitenpanzerung der Wanne betrug 120 mm (nicht angewinkelt), bei einer Turmpanzerung von 80 mm Stärke (mit 29 Winkel, d.h. ca. 91 effektiver Panzerung). Wie sähe also die Sache mit der gewinkelten 200-mm-Panzerung der Wanne aus?


M113 Ausführung mit einer 90mm Cockerill-Kanone

Die Antwort soll uns eine M113-Variante mit einer auf einem Zweimannturm montierten 90-mm-Cockerill liefern. Obwohl die Cockerill nicht die Kraft anderer moderner 90-mm-Kanonen erreicht, kann sie eine große Zahl unterschiedlicher Geschosstypen abfeuern, darunter mörderische HESH-Projektile (besonders effektiv gegen gewinkelte Panzerung) oder 300-350 mm HEAT-Geschosse.

SCHLUSSFOLGERUNG

Unter günstigen Umständen würde selbst ein M113 den E 100 in Stücke reißen können, indem er ihn geschickt umkreist oder aus Distanzen angreift, für die der E 100 nicht gewappnet ist. In den letzten Jahrzehnten hat sich der M113 als eines der zuverlässigsten jemals entwickelten Fahrzeuge und die Tatsache, dass es enorme Feuerkraft an den Tag legt, unterstreicht nur noch die Qualität dieser Fahrzeugreihe. Auch wenn der M113 modernen TPz und SPz unterlegen ist und laufend durch neue Fahrzeuge ersetzt wird, ist er ein robuster Klassiker, der noch lange Zeit in verschiedenen Rollen seinen Dienst versehen wird.
Was die superschweren Giganten anbelangt, so haben sie sich als Sackgasse der Panzerentwicklung erwiesen und verschwanden relativ rasch nach Ende des Zweiten Weltkriegs (bis auf einige haarstäubende Projekte, die es nicht weit brachten). Auf modernen Schlachtfeldern wären sie komplett nutzlos. Bei der Diskussion um alte und neue Fahrzeuge darf jedoch ein Aspekt nicht außer Acht gelassen werden.


Tschechisch produzierte SU-100 Kopie im Jemen

Bei jüngsten Konflikten (wie zuletzt im Jemen) wurden zunehmend auch extrem alte Fahrzeuge eingesetzt (wie der Jagdpanzer SU-100 aus dem Zweiten Weltkrieg). Und auch wenn das in der Ära computergesteuerter Lenkflugkörper eher nach einem Witz klingt, ist es dies bei Weitem nicht. Im Kampf gegen Feinde, die nichts gegen Angriffe von Panzerfahrzeugen ausrichten können (wie Milizen und Stammeskrieger), kann selbst ein 70 Jahre alter Panzer eine tödliche Bedrohung sein und ungeachtet seines Alters töten.

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